Bericht aus dem Kantonsrat zwischen den Jahren im Januar 2026
Die Schweiz wirkt politisch oft wie ein ruhender Pol inmitten eines unruhigen Europas. Doch diese Ruhe ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines jahrhundertelangen Ringens um Ausgleich. Föderalismus, direkte Demokratie und Neutralität sind keine romantischen Traditionen, sondern pragmatische Antworten auf innere Vielfalt und äusseren Druck. Während andere Staaten Macht bündeln, verteilt die Schweiz sie bewusst auf Kantone, Gemeinden und letztlich auf die Bürger selbst. Das verlangsamt Entscheidungen, erhöht aber ihre Legitimität. Kritiker sehen darin Stillstand, Befürworter eine stabile Resilienz. In Zeiten globaler Polarisierung zeigt sich die Stärke dieses Modells: Konflikte werden nicht verdrängt, sondern institutionalisiert. Abstimmungen ersetzen Barrikaden, Kompromisse triumphieren über Ideologien. Doch das System ist kein Selbstläufer. Sinkende Beteiligung, internationale Verflechtungen und wirtschaftlicher Druck stellen die Frage, wie viel direkte Mitsprache im 21. Jahrhundert tragfähig bleibt. Die politische Zukunft der Schweiz hängt davon ab, ob sie den Mut behält, Komplexität nicht zu vereinfachen, sondern demokratisch auszuhalten.
„Die Menschen werfen sich im Politischen wie auf dem Krankenlager von einer Seite zur andern, in der Meinung besser zu liegen.“
Johann Wolfgang von Goethe
Zwischen den Jahren liegt ein besonderer Zustand. Die Dezember Session des Kantonsrats ist Geschichte, das politische Jahr abgeschlossen. Das neue Jahr ist bereits angebrochen, doch politisch noch sehr jung. In diesen Tagen ist es ruhiger im Regierungsgebäude, die Dossiers sind geschlossen, die Debatten verstummt. Und doch arbeitet es weiter nicht laut, sondern nach innen. Goethes Bild des politischen Krankenlagers wirkt erstaunlich zeitlos. Das hastige Wechseln der Seiten, das Reagieren auf jede neue Erregung, die Hoffnung, durch Drehung allein besser zu liegen. Aus der Sicht der Mitte ist Politik jedoch kein fiebriger Zustand, sondern ein Balanceakt. Stabilität entsteht nicht durch Extreme, sondern durch Haltung. Die Mitte Luzern versteht sich als Kraft der Vernunft und der Verantwortung. Gerade in einer Zeit zunehmender Polarisierung ist diese Rolle anspruchsvoll, aber notwendig. Sicherheit bedeutet dabei mehr als nur Polizeipräsenz oder neue Vorschriften. Sie beginnt mit Vertrauen in den Rechtsstaat, in die Institutionen, in den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sicherheit entsteht dort, wo Menschen sich gesehen und ernst genommen fühlen. Investitionen in Ordnung, Prävention und soziale Stabilität sind keine Gegensätze, sondern Teile desselben Ganzen. Auch die Gesundheitspolitik verlangt Mass und Weitsicht. Die Belastungen der letzten Jahre wirken nach: steigende Kosten, Personalmangel, psychische Herausforderungen. Aus der Mitte heraus geht es nicht um schnelle Schuldzuweisungen oder einfache Rezepte, sondern um tragfähige Lösungen. Gesundheit ist kein politisches Schlagwort, sondern ein sensibles Gleichgewicht zwischen Qualität, Zugänglichkeit und Finanzierbarkeit. Wer nur Symptome behandelt, verkennt die Ursachen. In dieser Übergangszeit lohnt der Blick auf die alte Kultur der Rauhnächte. Diese Tage zwischen Weihnachten und Dreikönig galten als Zeit ausserhalb der Zeit. Man hielt inne, räucherte Haus und Stall aus, liess das Alte gehen, ohne das Neue bereits festzulegen. Es war eine Zeit des Beobachtens, des Deutens, nicht des vorschnellen Handelns. Auch politisch befinden wir uns oft in solchen Rauhnächten. Alte Gewissheiten tragen nicht mehr, neue Antworten sind noch nicht ausgereift. Die Versuchung ist gross, hektisch zu reagieren, sich von einer politischen Seite zur anderen zu werfen. Doch nachhaltige Politik braucht Geduld. Sie braucht das Aushalten von Unsicherheit und die Bereitschaft, zuzuhören. Das neue politische Jahr ist jung. Es verdient keine vorschnellen Urteile, sondern einen klaren Kompass. Die Mitte Luzern steht für diesen Weg zwischen den Extremen: für Sicherheit ohne Angst, für Gesundheit ohne Ideologie, für Fortschritt mit Bodenhaftung.
Mit Blick auf 2026 verbinden sich damit Wünsche:
dass die politische Debatte wieder mehr von Respekt als von Lautstärke geprägt ist;
dass Sicherheit als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden wird;
dass Gesundheitspolitik langfristig denkt und den Menschen ins Zentrum stellt;
und dass der Kanton Luzern auch im kommenden Jahr den Mut findet, nicht jedem Trend nachzueilen, sondern Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht liegt man politisch nicht besser, wenn man sich ständig dreht. Vielleicht liegt man besser, wenn man in ruhigen Momenten Orientierung findet und dann entschlossen handelt. In diesem Sinn möge 2026 ein Jahr der Klarheit, des Masses und des Zusammenhalts werden.

